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Stadtschulpflegschaft Remscheid

Anschreiben & Offener Brief

Die Stadtschulpflegschaft Remscheid hat im Rahmen der Schulanmeldung 2026/27 einen offenen Brief sowie ein begleitendes Anschreiben an den Oberbürgermeister versendet. Beide Dokumente stellen wir hier vollständig zur Verfügung.

Anschreiben an den Oberbürgermeister

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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sven Wolf,

wie Sie in den vergangenen Tagen sicherlich wahrgenommen haben, herrscht in der Elternschaft großer Unmut über die diesjährigen Schulanmeldungen an den weiterführenden Schulen in Remscheid. Wie in jedem Jahr kam es erneut zu einer deutlichen Übernachfrage an der Sophie-Scholl-Gesamtschule sowie am Röntgen-Gymnasium.

Die Familien, deren Kinder dort keinen Platz erhalten haben, wurden von der Stadt Remscheid mit einem Begleitschreiben darüber informiert, an welchen weiteren Schulen eine Anmeldung möglich sei. Genannt wurden in diesem Zusammenhang die Albert-Einstein-Gesamtschule, die Nelson-Mandela-Sekundarschule sowie die Gemeinschaftshauptschule Hackenberg.

Da jedoch auch an der Albert-Einstein-Gesamtschule mehr Anmeldungen als Plätze vorlagen, mussten auch dort Kinder abgelehnt werden. Für diese Familien verblieben anschließend nur noch die Nelson-Mandela-Sekundarschule und die Gemeinschaftshauptschule Hackenberg als Alternativen.

Am 03.03. haben sich mehrere betroffene Eltern zusammengefunden und ihren Unmut über dieses Verfahren sowie die damit verbundenen Perspektiven für ihre Kinder geäußert. Wir als Stadtschulpflegschaft Remscheid haben diese Rückmeldungen aufgenommen, gebündelt und in einem offenen Brief zusammengefasst, den wir Ihnen hiermit übermitteln.

Unser Anliegen ist es, die Situation der betroffenen Familien sichtbar zu machen und auf strukturelle Herausforderungen hinzuweisen, die sich Jahr für Jahr wiederholen. Wir möchten damit einen konstruktiven Beitrag zur öffentlichen Diskussion leisten und auf die Notwendigkeit langfristiger Lösungen aufmerksam machen.

Dabei ist uns wichtig zu betonen, dass eine Vorverlegung der Anmeldetermine, wie im Schulausschuss am 04.02. zur Abstimmung gestellt wurde, keine Lösung darstellt. Man kann einen Eimer nicht mit mehr Wasser füllen, nur weil man früher damit beginnt. Die Kapazitäten bleiben gleich, unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung.

Das eigentliche Problem liegt tiefer und betrifft mehrere Ebenen gleichzeitig:

Bauliche und räumliche Kapazitäten:
Viele Schulen verfügen nicht über die räumlichen Möglichkeiten, zusätzliche Klassen einzurichten oder kurzfristig zu erweitern.

Transparenz im Anmeldeverfahren:
Eltern benötigen klare, verständliche Informationen über die Schulformen, Profile und Besonderheiten der einzelnen Schulen.

Fehlwahrnehmungen in der Elternschaft:
In unseren Gesprächen wurde deutlich, dass viele Eltern unzureichend informiert sind. So hält sich beispielsweise hartnäckig die falsche Annahme, die Nelson-Mandela-Sekundarschule sei eine Förderschule. Solche Missverständnisse beeinflussen Entscheidungen und verstärken die Ungleichverteilung der Anmeldungen.

Wir sehen daher die Notwendigkeit, gemeinsam mit Verwaltung, Politik und Schulen an strukturellen Verbesserungen zu arbeiten, die sowohl die Kapazitäten als auch die Informationslage der Eltern stärken.

P.S.: Der Brief ist auch auf unserer Homepage zu finden:
https://ssp-rs.de/2026-schulanmeldung.html

Offener Brief

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Textversion

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolf,

wir wenden uns heute mit einem offenen Brief zum Anmeldeverfahren an die weiterführenden Schulen an Sie. Dieses Schreiben richten wir im Namen aller betroffenen Familien in Remscheid, die aufgrund der aktuellen Schulplatzsituation benachteiligt sind.

Am 03.03.2026 trafen sich rund 30 verzweifelte Eltern, um mit uns ihre Erfahrungen zu teilen, die sie bei der Anmeldung gemacht haben. Wir möchten versuchen, die Emotionen von diesem Treffen auch für Sie spürbar zu machen.

Die Eltern berichten von undurchsichtigen Auswahlverfahren und verstehen nicht, warum ihre Kinder abgelehnt wurden. Einige berichten, dass sie noch am Tag der Anmeldung überredet wurden, auf dem Anmeldeschein das Kreuz für die Weiterleitung an die anderen Schulen zu machen. Dem gegenüber stehen Eltern, deren Anmeldeschein trotz dieses Kreuzes nicht weitergeleitet wurde.

Eltern, die ihre Kinder im Anschluss an eine Ablehnung der Sophie-Scholl-Gesamtschule an der AES angemeldet haben, wurden mit den Worten empfangen, dass die AES keine „Resterampe“ sei. Es wird davon berichtet, dass die Schulleitung der Realschule als Kriterium für die Zusage die Wohnortnähe zur Schule macht. Eltern, die sich hilfesuchend an Schulleitungen und Schulamt wenden, werden mit teils widersprüchlichen Aussagen konfrontiert. Hilflosigkeit und Ohnmacht machen sich breit.

Die Kinder der betroffenen Familien haben eine Realschulempfehlung erhalten. Dennoch haben die Familien ausschließlich Absagen der Gesamtschulen und Realschulen aufgrund fehlender Kapazitäten erhalten. Diese Situation belastet die Kinder emotional sehr stark. Sie fühlen sich trotz guter Leistungen zurückgewiesen – und das gleich mehrfach. Nach der Ablehnung an der Sophie-Scholl-Gesamtschule gab es die nächste Ablehnung an der AES.

Nach Ansicht der Mehrheit der betroffenen Eltern werden Kinder mit klarer Realschulempfehlung dennoch an Haupt- oder Sekundarschulen verwiesen, obwohl dies weder ihrem Leistungsstand noch ihrem Bildungsanspruch gerecht wird. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt. Zahlreiche Familien befinden sich in der gleichen Situation.

Wir bitten Sie daher eindringlich:

  • die Verteilung der betroffenen Kinder auf bestehende Gesamtschulen und Realschulen zu prüfen,
  • ggf. zusätzliche Klassen (Mehrklassen) einzurichten,
  • und sicherzustellen, dass Kinder mit Realschulempfehlung nicht entgegen ihrem Leistungsstand an Haupt- oder Sekundarschulen verwiesen werden.

Darüber hinaus bitten wir darum, dieses Schreiben an die zuständige Aufsichtsbehörde, die Bezirksregierung Düsseldorf, weiterzuleiten, um die Situation aller betroffenen Kinder angemessen prüfen zu lassen, damit auch für diese Kinder Bildungsgerechtigkeit verwirklicht werden kann.

Wir bitten um eine schriftliche Stellungnahme zu den geplanten Maßnahmen zur Lösung dieser Schulplatzproblematik.

Viele Grüße
Stadtschulpflegschaft Remscheid